Physikalisches Prinzip


Oft werde ich gefragt wie das denn funktioniert mit dem Goldwaschen. Nun, das Goldwaschen folgt dem Prinzip der Stofftrennung nach ihrer Massendichte/Dichte. Die Dichte ist der Quotient aus der Masse und des Volumens eines Körpers.

Meistens wird die Dichte in Gramm pro Kubikzentimeter/Milliliter oder Kilogramm pro Kubikmeter angegeben. Da sich die meisten Stoffe bei Erwärmung ausdehnen ist die Dichte temperaturabhängig und nimmt meistens mit steigender Temperatur ab. So steigt warme Luft (Thermik) auf, weil sie im Vergleich zu kalter Luft "leichter" ist, sie besitzt eine geringere Dichte und "schwimmt" auf der kalten Luft. Dies lässt sich mit einem Öltropfen vergleichen, welcher eine geringere Dichte als Wasser besitzt und somit nicht untergeht, sondern schwimmt.

Mit diesem Grundwissen lässt sich das Prinzip des Goldwaschens besser verstehen. Im unteren Teil dieser Seite findet sich eine Liste mit der Dichte der gängigsten Metalle. Hier wird ersichtlich, warum wir Gold so gut von anderen Stoffen trennen können. Wasser weist eine Dichte von etwa 1 g/ml auf (1 l Wasser wiegt 1 kg). Gold besitzt mit 19,32 g/ml eine fast 20 mal höhere Dichte als Wasser.  Um dies zu verdeutlichen will ich einige Beispiele nennen. Eine 1 Liter Milchpackung würde knapp 20 kg wiegen, wenn sie aus Gold wäre. Eine normale Tafel Schokolade (100g) würde aus Gold gefertigt fast 2 kg auf die Waage bringen. Ein Stück Würfelzucker mit einer Kantenlänge von 1 cm würde nahezu 20 g wiegen.

Egal ob wir nun mit der Waschpfanne, mit einer Waschrinne oder im Trockenwaschverfahren Gold suchen, immer machen wir uns die hohe Dichte zunutze. Bei allen Methoden wird ein Stoffgemisch (Bachgeröll=Steine, Sand, verschiedene Mineralien, organische Reste) fluidisiert (d.H. das vormals verdichtetet Schüttgut weist nun Eigenschaften ähnlich einer Flüssigkeit auf). Dies geschieht entweder in Wasser oder in Luft. Die Stoffe werden (z.B. durch schütteln) in Bewegung versetzt und es entsteht eine Art Fliessbett. Darin geht die Haftreibung zwischen den einzelnen Teichen zu großen Teilen verloren. Nun wird die Gravitationskraft zur dominierenden Kraft. Die Gravitationskraft sorgt für eine Beschleunigung eines jeden Gegenstandes zum Erdmittelpunkt hin (wer es nicht glaubt kann gerne was fallen lassen). Da die Gravitationskraft abhängig von der Masse eines Gegenstandes ist, ist auch die Beschleunigung abhängig von der Masse. Hohe Masse bedeutet hohe Gravitationskraft und hohe Beschleunigung. Da unser Gold eine hohe Dichte (und damit im Vergleich zu einem gleich großen Körper aus anderem Material eine höhere Masse aufweist) besitz, wird es vergleichsweise stark beschleunigt, will also möglichst schnell und weit nach unten.

In der Praxis bedeutet dies: Wir füllen Bachgeröll in eine Waschpfanne, füllen diese mit Wasser oder tauchen sie unter Wasser und schütteln den Inhalt kräftig durch. In der Pfanne werden sich die Stoffe nun fast frei bewegen können. Sie werden beginnen, sich der Dichte nach zu sortieren, sehr Dichte Stoffe (Platin, Gold, Blei,  Eisen,  Schwerminerale) werden sich auf dem Boden der Pfanne absetzen. Weniger Dichte Stoffe (leichte Minerale, Steine) werden sich im mittleren Bereich absetzen. Die oberste Schicht besitzt die geringste Dichte (organisches Material, Sand). Da uns nur die untere Schicht interessiert, können wir nun Etappenweise die leichten, unerwünschten Bestandteile wegspülen, zwischendurch schütteln wir die Pfanne erneut um eine bessere Trennung zu erreichen. Hier ein Video über das Waschen mit der Goldwaschpfanne:

Dieses Prinzip funktioniert umso besser, desto gleichförmiger und gleichgroß das zu sortierende Material ist. Zum einen können große, flache Steine verhindern, daß das Gold bis zum Boden durchwandert. Auf der anderen Seite können aber auch sehr große Flitter nicht bis zum Boden herabsinken und es besteht durchaus eine Gefahr diese mit weg zu spülen. Aus diesem Grund sieben viele Goldwäscher das Geschiebe durch. Hierbei sollen zunächst große Steine aussortiert werden welche die Strömung in der Goldwaschrinne stören. Vor allem beim Feinauswasch in der Pfanne mit sehr kleinem Gold ist eine Klassifizierung unumgänglich. Genaueres zur Technik des Goldwaschens findet ihr bei Ausrüstung und Technik.

Kommt eine Goldwaschrinne zum Einsatz, wird auch hier die hohe Dichte des Goldes zur Abtrennung genutzt. Bei diesem Verfahren legt sich das Gold in Zonen ab, welche durch Einbauten eine verminderte Strömung aufweisen. Sind diese Zonen durch andere Teilchen bereits belegt, kommt es im Idealfall zu einem Austausch. Hierbei wird das leichtere Teilchen weggespült und das schwerere Teilchen nimmt dessen Platz ein. Auch hierzu mehr Detail bei Ausrüstung und Technik.

Bei sämtlichen professionellen Goldabbaumetholden kommt die Dichtetrennung zumindest teilweise zum Einsatz. Des Weiteren kommen chemische Methoden wie das Amalgamverfahren oder Cyanidlaugerei zum Einsatz. Selbstverständlich sind beide Verfahren nichts für den Hobbybereich und zudem verboten. Auch Geräte wie Setzanlagen (Jig), BlueBowl und Setztische (Millertable) funktionieren nach dem Prinzip der Dichtetrennung. Beim Millertable wird Material auf und mit der Tischblatte in eine Richtung in Bewegung versetzt. Nun bremst die Tischplatte abrupt ab und das Gold bewegt sich aufgrund der Trägheit weiter in die bisherige Richtung. Dadurch wandern sehr dichte/schwere Materialien schnell weiter, während sich weniger schwere Materialien kaum bewegen. Zudem läuft ein konstanter Wasserstrom entgegen der Bewegungsrichtung des Goldes, somit werden leichtere Teile zusätzlich zurückbewegt.

Gold kann außerdem mit Hilfe von Metallsuchgeräten gefunden werden. Da hierbei jedoch alle Metalle detektiert werden ist es in europäischen Flüssen nahezu aussichtslos erfolgreich Gold zu finden. Der Großteil unserer Flüsse ist leider (nicht nur) mit metallischem Müll kontaminiert. Zwar können gute Detektoren verschiedene Metalle ausblenden, dennoch ist die Eindringtiefe zu gering um damit Nuggets zu finden, diese liegen meist unter einigen Metern Geröll begraben. Kleine Goldflitter weisen hingegen nicht die Mindestgröße auf um detektiert zu werden.


Massendichte einiger Metalle und Wasser:

  • Osmium           22,60 g/ml
  • Platin                21,45  g/ml
  • Wolfram           19,35  g/ml
  • Gold                  19,32  g/ml
  • Uran                 18,95  g/ml
  • Quecksilber     13,55  g/ml
  • Palladium        12,02 g/ml
  • Blei                   11,35  g/ml
  • Silber               10,50  g/ml
  • Kupfer               8,96  g/ml
  • Eisen                  7,87  g/ml
  • Zinn                    7,31  g/ml
  • Zink                    7,13  g/ml
  • Titan                  4,54  g/ml
  • Aluminium       2,70  g/ml
  • Kohlenstoff      2,26  g/ml
  • Magnesium      1,74   g/ml
  • Wasser              1,00  g/ml