loch graben


Wir haben eine gute Stelle gefunden, die Rinne steht. Nun können wir beginnen ein Loch zu graben. An dieser Stelle will ich erneut darauf hinweisen, dass jeder selbst für die Wahl seiner Stelle verantwortlich ist und sich folglich über rechtliche Belange vor Ort informieren muss (Informationen erteilt zum Beispiel das zuständige Landratsamt). Unabhängig von der Lokalität ist es verboten:

  • in Naturschutzgebieten, FFH-Gebieten, Naturparks, Reservaten usw. zu graben
  • Uferbereiche/Privatgrund anzugraben
  • außerhalb des Bachbettes zu graben
  • Bäche umleiten
  • Pflanzen (insbesondere Bäume) zu untergraben
  • künstliche Verbauungen (Brücken, Wege, Wehre, Bauten zur Uferbefestigung usw.) anzugraben
  • motorisierte Geräte einzusetzen, schon alleine die Wasserentnahme aus einem Gewässer mit Pumpen ist untersagt und benötigt eine Genehmigung

Dann kann es losgehen! Zunächst überlege ich mir, wo mein Abraum abgelegt werden soll. Dieser besteht zum einen aus großen Steinen, welche ich per Hand aussortiere bzw. gleich am Anfang möglichst weit weg rolle. Des Weiteren können große Mengen Steine zwischen 1-10 cm anfallen, welche beim Sieben des Materials übrigbleiben. Diese Steine sollten so deponiert werden, dass sie zwar nicht hinderlich sind (also keinesfalls auf goldhaltiges Material im Bach kippen, sonst muss ich später Steine schaufeln) aber dennoch nach Abschluss der Baustelle wieder einfach ins Loch geschüttet werden können. Deswegen entscheide ich mich häufig für höhere Uferbereiche (meistens grabe ich am Rand des Gewässers), dort darf nicht gegraben werden und ich muss die Steine am Ende nur über Rand ins Loch schieben. Ist das nicht möglich und ich muss den Abraum anderweitig platzieren, kontrolliere ich ob Ablageort goldfrei ist. Steht sehr wenig Wasser oder Gefälle zur Verfügung, muss auch hinter der Rinne von Zeit zu Zeit Sand entfernt werden, damit dieser sich nicht bis in die Rinne staut. Dieses Material eignet sich hervorragend um Staudämme abzudichten.

Wird ein neues Loch gegraben, besteht anfangs noch die Möglichkeit, direkt in die Rinne zu schaufeln. Hierbei sollten Steine >10 cm von Hand entfernt werden. Nimmt die Größe und Tiefe des Loches zu, wird es zunehmend unökonomisch direkt zu Schaufeln (man muss sonst für jede Schaufel 10 m laufen). Deshalb wird man früher oder später dazu übergehen, Material in 10 L Mörteleimer zu füllen und diese zur Rinne zu tragen. Ich ziehe es in den meisten Regionen jedoch vor, das Material im Loch zu sieben und anschließend zur Rinne zu tragen. Die Möglichkeiten und Vorlieben beim Sieben sind zahlreich. Sie reichen von Prospektiersieb und Eimer bis hin zu selbstgebauten Sieben in verschiedenen Größen. Ich benutze hierfür eine wassergefüllte Eurobox (10€) und eine halb so große Gitterbox (5€) aus dem Baumarkt. Die Gitterbox sollte für ein gutes Resultat nur zu max. 1/3 gefüllt sein. Das Aussieben von Material findet für gewöhnlich unter Wasser statt, nur so werden die Steine sauber abgespült. Ist das Material vollständig trocken, kann auch trockengesiebt werden.


Eurobox und Gitterbox zum Sieben, mehrere 10 L Mörteleimer zum Transport


Normalerweise lässt sich an den meisten Goldseifen mehrere Tage arbeiten. Deshalb ist es wichtig in dieser Zeit nicht vom "Kurs" ab zu kommen. Meist besteht ein Bach- oder Flussbett aus mehreren Schichten, welche unterschiedlich Goldführend sind. Da es beim Sieben zu Vermischungen kommt, und bei vielen Goldrinnen nicht jeder Flitter sofort sichtbar ist, kontrolliere ich alle 1-2 Stunden das gegrabene Material mit der Pfanne. Bin ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden, grabe/teste ich in anderen Richtungen weiter. An sehr vielen Bächen habe ich festgestellt, dass die Goldmenge in ca. 1 m tiefe merklich abnimmt. Zwar liegt auch weiter unten noch Gold, jedoch ist es aus meiner Sicht deutlich ökonomischer (erstmal) nur den obersten Meter abzutragen. Oftmals entsteht so ein langgezogenes Loch, welches der Goldlinie folgt.

In Gebieten, in welchen der Bedrock gut zu erreichen ist (maximal 2 m Tiefe), sollte dieser das Ziel sein, da sich dort das meiste Gold sammelt. Im Allgemeinen lässt sich sagen, desto kleiner der Bach, desto weniger Geröll liegt auf dem Bedrock.

Meistens grabe ich dabei erstmal so tief, bis ich an einer Stelle den Bedrock erreicht habe. Ist dies sehr schnell der Fall (30-40 cm), grabe ich noch einige Meter weiter (entlang der Goldlinie) ein Loch zum Bedrock. Dies hilft mir abzuschätzen wie der Bedrock verläuft, gibt es zwischen beiden Löchern eine Stufe (Bedrock einmal in 30 cm und einmal in 70 cm tiefe), versuche ich diese Stufe zu erreichen, hier sammelt sich oftmals eine Menge Gold! Natürlich lässt sich anhand von zwei Löchern nicht genau sagen, wo sich die Stufe befindet, meist deuten aber Merkmale an der Oberfläche darauf hin, oftmals liegen an der Stufe besonders große und schwere Steine.

Ich lege nun also den Bedrock möglichst großflächig frei. Anschliessend fege/schrubbe ich das letzte Material auf dem Bedrock mit der Strömung in die nächste Vertiefung. Von dort lässt sich der kleine Haufen nun mit einer kleinen Grabschaufel o.Ä. aufnehmen. Jetzt kann das erste Mal mit der Handpumpe abgesaugt werden. Die Pumpe entleere ich in einen 10 L Mörteleimer, welcher evtl. mit einem Stein beschwert unter Wasser steht. Je nach Beschaffenheit des Bedrocks folgt nun ein letzter mühsamer, aber sehr ergiebiger Schritt.

Nagelfuh Konglomerat im Napfgebiet, CH
Nagelfuh Konglomerat im Napfgebiet, CH
Grundgestein aus Schiefer in Disentis, CH
Grundgestein aus Schiefer in Disentis, CH

Besteht der Bedrock aus Nagelfluh, sollten die einzelnen Vertiefungen der herausgebrochenen Steine gründlich ausgesaugt werden. In kalkigem oder sandigem Bedrock entstehen meist großflächige, glatte Ausspülungen welche sehr gut gereinigt und abgesaugt werden können. Besteht der Bedrock hingegen aus brüchigem Gestein, ist es erfolgsversprechend, die Felsstücke aufzuhebeln (VORSICHT: In manchen Gebieten in CH und F ist dies ausdrücklich untersagt!). Die Spalten und Ritzen sind so gut wie immer mit Lehm gefüllt, welcher viel Geröll und Goldanhaftungen hat. Ich schrubbe die Felsbruchstücke mit einer kleinen Handbürste im Wasser ab und zerkleinere große Lehmstücke mit Sieb und Händen in einem separaten Eimer. Im Anschluss kann der Bedrock, an den bearbeiteten Stellen erneut abgesaugt werden.

Teilweise abgesaugter Bedrock aus brüchigem Gneis im Schwarzwald, D.
Teilweise abgesaugter Bedrock aus brüchigem Gneis im Schwarzwald, D.

Sollte man die Baustelle für längere Zeit nicht besuchen, macht es Sinn, die Kopfseite der Baustelle (zur Strömung hin) mit einem Staudamm abzusichern. So kann, zumindest wenn kein Hochwasser kommt, verhindert werden, dass Material in das Loch gespült wird. Viele Goldwäscher bauen ausserdem ein "Steinmännchen" (mehrere flache Steine übereinander legen), um zu symbolisieren, daß dieses Loch noch weiter bearbeitet werden soll. Wenngleich dies keine Bedeutung im rechtlichen Sinn hat, respektieren die meisten Goldwäscher diese Regel und graben nicht in fremden Löchern.

Wird das Loch endgültig verlassen, sollte der Abraum aus dem Uferbereich wieder ins Loch oder zumindest ins Bachbett geschoben werden. Nach einem durchschnittlichen Hochwasser ist meist nichts mehr von der Baustelle zu erkennen.