Goldhöffigkeit- Wo liegt das Gold?


Gold finden ist nicht einfach. Selbst wenn man weiß, in welchen Gewässern Gold vorkommt, wird man auf Anhieb wohl keine großen Mengen finden (oder nur mit viel Glück). Um lohnenswerte Stellen zu finden benötigt es viel Erfahrung. Meiner Meinung nach ist das Aufspüren von lohnenswerten Stellen die Königsdiziplin beim Goldwaschen im Hobbybereich. Ein Goldnachweis kann an den allermeisten Stellen eines Baches gelingen (vorausgesetzt es gibt Gold). Es gibt auch Goldsucher, welche nur darauf aus sind, den Goldnachweis in möglichst vielen verschiedenen Gebieten/Gewässern zu erbringen. Mir persönlich kommt es aber hauptsächlich auf die Menge und die Schönheit/Größe des Goldes an. Aus diesem Grund versuche ich immer Stellen zu finden, welche nach 8 Stunden Arbeit auch nennbare Goldmengen zu Tage fördern.

Der nun folgende Teil ist eine Theorie, welche ich aus meinen Erfahrungen herausgearbeitet habe. Die genauen Vorgänge bei der Goldablagerung und -anreicherung in Gewässern sind bis heute nicht wirklich wissenschaftlich aufgearbeitet. 

Es gibt verschiedene Hinweise und Anhaltspunkte welche auf gute Stellen hinweisen. Darauf werde ich gleich eingehen. Zunächst möchte ich aber noch anhand eines Beispiels verdeutlichen, warum das Gold nicht gleichmäßig im Wasser verteilt ist:

Anstelle eines Baches will ich die Verteilung anhand eines Beispiels aus dem Straßenverkehr verdeutlichen. Stellen wir uns vor, der Bachlauf wäre eine Autobahn. Das Gold wird in unserem Beispiel durch Kieselsteine ersetzt, welche ein LKW auf der Straße verloren hat. Zunächst liegen die Kieselsteine also wild und völlig zufällig auf der Fahrbahn verteilt.

Die vorbeifahrenden Autos übernehmen in unserem Beispiel die Funktion des Wassers. Die Autos kommen immer aus der gleichen Richtung an unserem "Goldvorkommen" vorbei. Wenn freie Fahrt möglich ist, werden die Autos mit hoher Geschwindigkeit an besagter Stelle vorbeifahren. Dabei wird durch Fahrtwind und Berührung der Kies weiter in Fahrtrichtung transportiert. Gleiches geschieht im Bach bei Hochwasser. Das Gold wird flussabwärts befördert. Nun wissen wir aber vom Straßenverkehr, dass die Kies- und Sandablagerungen auf Autobahnen meistens nicht direkt im Bereich der Reifen liegen. Ursache hierfür ist, daß die Kiesel in diesen Bereichen von vorbeifahrenden Reifen und dem Fahrtwind wegbefördert werden. Vielmehr befinden sich die Ablagerungen in Bereichen, welche selten oder nie überfahren werden. Somit sammeln sich die Kiesel in Sperrflächen, Ausfahrten, Randstreifen, hinter Brückenpfeilern usw. Dorthin werden sie zufällig befördert, jedoch fehlt eine Energie, welche die Kiesel von dort weiterbefördert, sie sammeln sich somit in diesen Bereichen an.

Das Gold im Bach verhält sich vergleichbar. Prinzipiell kann das Gold überall im Bachbett auftauchen und sich ablagern. Dies geschieht jedoch nur bei Hochwasser, wenn das Wasser genug Energie besitzt um große Steine und schwere Minerale zu bewegen. Geht das Hochwasser nun zurück, befinden sich die Goldpartikel im ganzen Bachbett verteilt. Das nächste Hochwasser wird jedoch an stark umspülten Stellen das bereits abgelagerte Gold wieder aufwirbeln und weiter transportieren. Gleichzeitig wird jedoch auch wieder neues Gold abgelagert. Dieser Vorgang wiederholt sich bei jedem Hochwasser. Aus diesem Grund können wir in fast jedem Bereich des Baches einige Goldpartikel finden. 

Doch wie entsteht nun eine besonders ergiebige Stelle? Solche Stellen entstehen, wenn zwar ständig neues Gold an eine Stelle befördert wird, das bereits vorhandene Gold jedoch nicht wegtransportiert wird. Hier reichert sich im Laufe der Jahre teilweise großflächig Gold an. Diese Stellen werden als Goldseifen bezeichnet und können lohnenswert zum Goldwaschen sein. Gibt es an diesen Stellen noch besondere Hindernisse oder Ähnliches, kann sich Gold extrem anreichern.

Dies ist in sogenannten Goldfallen der Fall. Dies können verschiedene natürliche oder künstliche Hindernisse, Vertiefungen und Spalten sowie sonstige beruhigte Bereiche sein. 

Stellen wir uns für unser Beispiel nun ein Gullideckel am Fahrbahnrand vor. Werden die Kieselsteine durch die Fahrzeuge auf den Gullideckel befördert und fallen durch die Löcher, sammeln sie sich im darunterliegenden Auffangbehälter. Hier sind sie in der Falle, kein vorbeifahrendes Fahrzeug kann sie von hier weiterbefördern.

Im Bach könnte zum Beispiel eine Spalte im Felsuntergrund des Bachbettes solch eine Goldfalle sein. Gold, welches einmal in die Spalte gefallen ist, wird komplett vom strömenden Wasser abgetrennt und kann nicht mehr aus der Spalte herausgespült werden. Im Laufe vieler Hochwasser können sich so beträchtliche Goldmengen in Spalten sammeln.

Nun will ich noch einige Beispiele nennen, welche als beruhigte Bereiche gesehen werden können und wo sich vermehrt Gold abgelagert haben kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß eines der folgenden Merkmale meist nicht ausreicht um eine wirklich gute Stelle zu bilden. Kommen aber mehrere Merkmale zusammen kann es interessant werden. Ganz wichtig ist natürlich, sich immer die Situation bei Hochwasser vor Augen zu halten. Unter diesen Umständen kann das Wasser andere Wege nehmen, meist deuten Merkmale wie spärlicher Bewuchs, das Fehlen von Bäumen, verschiedene Stufen im Uferbereich usw. darauf hin.

 

Meistens bilden sich an Innenkurven (Gleithang) von Flüssen Flussseifen aus. Dies liegt zum einen an der Trägheit der schweren Materialien (große Steine, schwere Mineralien), welche meist in einer Art "Ideallinie" (oder "Goldlinie") flussabwärts transportiert werden. Zum anderen herrscht am Gleithang eine verminderte Strömung und es kommt somit zu einer Konzentration von schweren Materialien in diesem Bereich.


Prinzipiell ist jeder Gegenstand, welcher dauerhaft an einer Stelle im Fluss verbleibt eine Ursache für Verwirbelungen und Strömungsabrisse. Es besteht also die Möglichkeit, dass sich hinter (und vor) solchen Hindernissen Gold anreichern kann. Beispielhaft verwende ich hier einen großen Stein, dies gilt aber auch für Baumstämme, Bedrocküberstände usw. Eine aktive Goldwaschrinne funktioniert nach dem gleichen Prinzip.


Sehr gute Erfahrungen habe ich an Stellen gemacht, an welchen sich die gesamte Wasserströmung (bei Hochwasser) beruhigt. Eine Möglichkeit um die Strömungsgeschwindigkeit eines ganzen Flusses abzubremsen, ist die Verbreiterung des Flussbettes. In diesem Beispiel nimmt die Breite des Flusses von d1 auf d2 zu. Da die gleiche Menge Wasser nun mehr Platz hat, nimmt dessen Geschwindigkeit von v1 zu v2 ab.

Die zweite Möglichkeit die Strömungsgeschwindigkeit zu bremsen, ist die Verringerung des Gefälles. Wenn sich das Gefälle im Fluss oder Bach ändert, lässt sich dies meist daran erkennen, dass die Wasseroberfläche im flacheren Bereich spiegelglatt ist. Außerdem nimmt die Wassertiefe dort meist deutlich von h1 auf h2 zu. Auch in diesem Fall hat das Wasser mehr Platz zur Verfügung und die Geschwindigkeit nimmt von v1 auf v2 ab. In diesen Bereichen lässt sich eventuell keine Goldwaschrinne betreiben, aber das gesiebte Material kann in Eimern zur Rinne getragen werden. In Bächen können am Fuß von Stufen manchmal Strudeltöpfe entstehen. Dabei handelt es sich um Ausspülungen im Bedrock, welche im Laufe der Zeit entstanden sind. Diese Stellen sind sehr schwer zu erreichen, gehören aber zu den Besten Waschgoldvorkommen, hier sammelt sich unter Umständen das Gold langer Bachabschnitte!


Wie bereits mehrfach erwähnt, sinkt Gold aufgrund der hohe Dichte immer möglichst weit ab. Aus diesem Grund ist es (wenn möglich) ratsam, das Muttergestein/Bedrock zu erreichen. Gegebenenfalls Spalten aufzubrechen und alles gründlich von Hand abzusaugen. Hier wird sich das Gold sammeln. In manchen Fällen bilden sich Lehmschichten im Geröll. Da Lehm weitestgehend undurchlässig ist, wirken diese Schichten wie ein Pseudobedrock, sind jedoch deutlich leichter zu erreichen. Auch hier kann sich sehr viel Gold sammeln, klebt allerdings aufgrund der Konsistenz des Lehms leicht fest. Deshalb sollt Lehm immer in einem Eimer separat aufgelöst werden. Wird ein großer Lehmklumpen durch die Goldwaschrinne gelassen, besteht sogar die Gefahr, dass Goldflitter aus der Rinne daran festkleben und ausgespült werden.